Rechtsstand: aktuell

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2. Die Gemeindepfarrerinnen und Gemeindepfarrer

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Artikel 92

( 1 ) Gemeindepfarrerinnen und Gemeindepfarrer werden zum Dienst in einer Gemeinde oder in mehreren Gemeinden berufen.
( 2 ) Die Vollmacht des Amtes der Gemeindepfarrerin bzw. des Gemeindepfarrers ist in dem der ganzen Kirche gegebenen Verkündigungsauftrag begründet.
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Literatur
de Wall, Heinrich, Pfarrer und Kirchenbeamte, in: H.U. Anke / H.de Wall / M. Heinig, Handbuch des evangelischen Kirchenrechts, Tübingen 2016, § 5.
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Artikel 92 behandelt die Berufung von Pfarrerinnen und Pfarrern, die in der Gemeinde tätig sind.1# Gegenüber dem Rechtszustand von vor 2007 ist neu, dass Pfarrinnen und Pfarrer auch für den Dienst in mehreren Gemeinden berufen werden können. Damit soll das Problem gelöst werden, dass kleinere Gemeinden nicht von einer anderen nur »mitversorgt«2# werden müssen, wenn die Errichtung einer eigenen Pfarrstelle nicht möglich ist. Die gleichberechtige Berufung für beide Gemeinden bietet sich vor allem in den Fällen an, in denen keine oder nur geringe Größenunterschiede zwischen ihnen bestehen.
2
Durch das Gesetz zur Änderung der Grundordnung vom 20. April 20133# wurde der Artikel an die Regelungen des neuen Pfarrdienstrechtes angepasst. Die Bestimmungen über die Ummeldung von Gemeindegliedern für einzelne Amtshandlungen oder im Ganzen zu einer anderen Gemeinde wurden in Artikel 8 GO (Artikel 92 Abs. 4 GO a.F.) und Artikel 10 GO (Artikel 92 Abs. 2 Satz 1 GO a.F.) verschoben. Damit ist der gesamte Artikel 92 GO a.F. mit Ausnahme von Absatz 1 Satz 1 entfallen.
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Absatz 2 enthält nunmehr die Regelung des § 9 Abs. 1 AG-PfDG.EKD über den in der ganzen Kirche gegebenen Verkündigungsauftrag als Grundlage des Gemeindepfarramtes, welche im früheren Pfarrdienstgesetz im Vorspruch unter Ziffer B Abs. 1 PfDG a.F. enthalten war. Die Regelung verwies auf die in § 44 Abs. 1 und 3 GO a.F. enthaltenen Grundsätze des Dienstes der Verkündigung, die sich nunmehr in Artikel 1 Abs. 3 GO und Artikel 89 Abs. 1 GO finden. Die Regelung wurde Artikel 92 Abs. 1 Satz 1 GO beigestellt, da es sich um eine grundsätzliche Aussage über den Dienst der Gemeindepfarrerinnen und Gemeindepfarrer handelt, die in besonderer Weise auch die Unabhängigkeit des ordinierten Amtes kennzeichnet.4# Entfallen sind dagegen die Regelungen zur Zuständigkeiten von Pfarrerinnen und Pfarrern, welche nunmehr umfänglich im Pfarrdienstrecht enthalten sind. Im Einzelnen entspricht § 10 Abs. 1 Satz 1 AG-PfDG.EKD dem Artikel 92 Abs. 1 Satz 2 GO a.F.; der § 10 Abs. 1 Satz 2 AG-PfDG.EKD entspricht dem Artikel 92 Abs. 1 Satz 3 GO a.F.; der § 28 Abs. 3 PfDG.EKD entspricht dem Artikel 92 Abs. 1 Satz 4 GO a.F.; der § 10 Abs. 5 AG-PfDG.EKD entspricht dem Artikel 92 Abs. 2 GO a.F., und § 10 Abs. 6 AG-PfDG.EKD entspricht Artikel 92 Abs. 3 GO a.F.

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1 ↑ Zu Pfarrerinnen und Pfarrern mit übergemeindlichen Aufgaben siehe Art. 94 GO. Zu den Voraussetzungen für eine Berufung vergl.: de Wall, HevKR, § 5 Rdnr. 19 ff.
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2 ↑ Das hat sich vor allem als ein psychologisches Problem erwiesen.
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3 ↑ GVBl. S. 109.
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4 ↑ Vergl. die Begründung zum Grundordnungsänderungsgesetz 2013, Verhandlungen der Landessynode, Frühjahr 2013, S. 152.