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Allgemeine Dienstanweisung
für hauptberufliche Kirchenmusiker

Vom 6. Dezember 1988

(GVBl. 1989 S. 43)

Der Evangelische Oberkirchenrat erläßt gemäß § 12 Abs. 4 des Kirchenmusikgesetzes vom 29. April 1987 (GVBl. S. 75) nachstehende allgemeine Dienstanweisung für hauptberufliche Kirchenmusiker:
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1. Allgemeines

1 Der Kirchenmusiker ist im Bereich seiner Kirchengemeinde/Pfarrgemeinde verantwortlich für die Ausbildung und Pflege der Kirchenmusik. 2 Er nimmt damit ein kirchliches Amt wahr und ist mitbeteiligt am Aufbau und Leben der Gemeinde.
3 Er arbeitet mit dem Kirchengemeinderat/Ältestenkreis, den Pfarrern und anderen Mitarbeitern der Kirchengemeinde zusammen und wird in seiner Tätigkeit von ihnen unterstützt. 4 Der Kirchenmusiker ist nach Maßgabe seines Arbeitsvertrages zur Mitwirkung bei den Gottesdiensten, Amtshandlungen und sonstigen kirchlichen Veranstaltungen in seinem Dienstbereich sowohl berechtigt wie verpflichtet.
5 Grundlage seiner Arbeit bilden die Richtlinien für Kirchenmusik vom 20. Juni 1978 (GVBl. S. 144), diese allgemeine Dienstanweisung sowie die aufgrund dieser allgemeinen Dienstanweisung mit dem Arbeitsvertrag vereinbarten Verpflichtungen in seinem Dienstbereich. 6 Die Satzungen des Landesverbandes der evangelischen Kirchenchöre in Baden und der Landesarbeit der evangelischen Posaunenchöre sind zu berücksichtigen.
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2. Gottesdienst

1 Der Kirchenmusiker ist für die Gestaltung der Musik im Gottesdienst verantwortlich. 2 Dies gilt für die Auswahl der musikalischen Stücke, die Beurteilung ihrer liturgischen Eignung und künstlerischen Qualität sowie deren Interpretation.
3 Die Leitung des Gottesdienstes obliegt dem Pfarrer. 4 Die Gestaltung des Gottesdienstes im einzelnen bedarf der Absprache zwischen Kirchenmusiker und Pfarrer. 5 Besondere kirchenmusikalische Gestaltungsformen (z.B. Kantatengottesdienste) bedürfen einer längerfristigen Planung und Vorbereitung.
6 Über die Auswahl der Gemeindelieder zum Gottesdienst sollen sich Pfarrer und Kirchenmusiker frühzeitig, spätestens jedoch zwei Tage vor dem Gottesdienst verständigen. 7 Wirkt ein Chor oder ein Instrumentarkreis bei den Gemeindeliedern mit, erfolgt die Verständigung spätestens am Tag vor der letzten regelmäßigen Chorprobe.
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3. Kantorendienst

1 Der Kirchenmusiker fördert das Singen der Gemeinde im Gottesdienst und in Gemeindeveranstaltungen sowie in einzelnen Gemeindekreisen. 2 Auch die Durchführung von Gemeindesingstunden oder Offenen Singen gehört zu seinen Aufgaben.
3 Der Kirchenmusiker leitet in der Gemeinde vorhandene Chöre und Instrumentalgruppen und fördert die Bildung neuer Musikgruppen. 4 Soweit er nicht selbst mit der Leitung betraut ist, berät er die Leiter dieser Chöre und Instrumentalgruppen. 5 Neben der Probenarbeit gehören auch Chorfreizeiten und gesellige Veranstaltungen des Chores zum Aufgabenbereich des Kirchenmusikers.
6 Der Kirchenmusiker entscheidet über die Aufnahme von Sängerinnen und Sängern und Instrumentalisten in die Chöre oder Musikgruppen je nach Eignung.
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4. Organistendienst

1 Als Organist hat der Kirchenmusiker liturgische und künstlerische Aufgaben. 2 Dazu zählen die Vorbereitung (Choralvorspiel, Intonation) und Begleitung des Gemeindegesangs, die Pflege der Orgelimprovisation, die Erarbeitung und Wiedergabe von Werken alter und neuer Zeit.
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5. Kirchenmusikalische Veranstaltungen

1 Es wird vom Kirchenmusiker erwartet, daß er im Rahmen der Möglichkeiten besondere kirchenmusikalische Veranstaltungen (Kirchenkonzerte, Oratorienaufführungen, Kantatenabende usw.) vorbereitet und durchführt. 2 Die Verantwortung für kirchenmusikalische Veranstaltungen liegt bei der Kirchengemeinde/Pfarrgemeinde. 3 Darum bedarf die Planung auch im Hinblick auf die finanziellen Auswirkungen einer frühzeitigen Absprache mit den verantwortlichen Gremien.
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6. Dienst- und Fachaufsicht

1 Der Kirchenmusiker ist in dienstlichen Angelegenheiten dem Kirchengemeinderat, bzw. den Ältestenkreisen der Gemeinden, in denen er seinen Dienst ausübt, verantwortlich (vgl. § 9 Kirchenmusikgesetz). 2 Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kirchenmusiker und dem Pfarrer sind nach Maßgabe von § 22 Abs. 6 der Grundordnung im Ältestenkreis/Kirchengemeinderat zu behandeln. 3 Soweit erforderlich, ist der Bezirkskantor oder der Vertrauenspfarrer hinzuzuziehen. 4 Wird keine Einigung erzielt, ist der die Fachaufsicht führende Landeskantor zu den Beratungen hinzuzuziehen. 5 Bei Meinungsverschiedenheiten arbeitsrechtlicher Art besteht die Möglichkeit, den Schlichtungsausschuß nach Maßgabe des Mitarbeitervertretungsgesetzes anzurufen. 6 Stehen Fragen der Kirchenmusik sowie des Dienstes des Kirchenmusikers auf der Tagesordnung des Ältestenkreises/Kirchengemeinderates, ist der Kirchenmusiker zu den Sitzungen einzuladen (§ 22 Abs. 4 der Grundordnung). 7 Der Kirchenmusiker soll an den Konventen des Kirchenbezirks und des Kirchenkreises sowie an den kirchenmusikalischen Fortbildungsangeboten in der Landeskirche teilnehmen.
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7. Urlaub

1 Der Kirchenmusiker hat den Erholungsurlaub so zu wählen, daß auf jeweils sechs Urlaubstage (6-Tage-Woche) höchstens ein Sonntag fällt. 2 An kirchlichen Feiertagen soll kein Urlaub genommen werden. 3 Für die Zeit seines Urlaubs oder einer sonstigen Abwesenheit vom Dienst soll der Kirchenmusiker der Kirchengemeinde/Pfarrgemeinde bei der Suche eines geeigneten Vertreters behilflich sein.
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8. Nebentätigkeit

Die Genehmigung einer Nebentätigkeit richtet sich nach § 10 des Kirchenmusikgesetzes; zuständig für die Genehmigung ist der Kirchengemeinderat.
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9. Instrumente

1 Der Kirchenmusiker hat dafür Sorge zu tragen, daß die Orgel und die übrigen Musikinstrumente der Kirchengemeinde in gutem Zustand sind. 2 Kleinere Reparaturen und Stimmungen, insbesondere das Stimmen der Zungenregister der Orgel soll er selbst durchführen. 3 Über notwendige Reparaturen und Unterhaltungsmaßnahmen ist die Kirchengemeinde zu benachrichtigen. 4 Schäden und Unregelmäßigkeiten in der Orgel sind schriftlich in einem Wartungsheft für den Orgelbauer festzuhalten.
5 Dem Kirchenmusiker stehen die Instrumente der Gemeinde für Üben und für den zu seinem Dienstauftrag gehörenden Unterricht zur freien Verfügung. 6 Die Erteilung von privatem Unterricht bedarf der vorherigen Zustimmung des Kirchengemeinderats/Ältestenkreises. 7 Anderen Personen kann er im Einvernehmen mit dem Ältestenkreis/Kirchengemeinderat die Benutzung unter seiner Verantwortung gestatten. 8 Jede Benutzung eines gemeindeeigenen Instruments bedarf der Zustimmung des Kirchenmusikers.
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10. Arbeitsmöglichkeiten

1 Die Kirchengemeinde stellt für die Chorarbeit einen geeigneten Raum (mit Instrument) zur Verfügung. 2 Die Kirchengemeinde stellt im Rahmen ihres Haushalts Mittel für die kirchenmusikalische Arbeit bereit. 3 Dies betrifft u.a. die Anschaffung von Notenmaterial, Honorare für Solisten und Orchester sowie Sachkosten bei kirchenmusikalischen Veranstaltungen, Zuschüsse zu Chorfreizeiten, Kosten für Instrumentenpflege. 4 Noten und Bücher bleiben Eigentum der Kirchengemeinde. 5 Sie sind zu inventarisieren und sorgfältig aufzubewahren. 6 Die Bewirtschaftung der im Haushaltsplan für kirchenmusikalische Zwecke bereitgestellten Mittel erfolgt nach Maßgabe der haushaltsrechtlichen Bestimmungen. 7 Spenden für kirchenmusikalische Zwecke müssen ordnungsgemäß vereinnahmt werden. 8 Die Erstattung von im Dienst entstandenen Auslagen des Kirchenmusikers (Telefon, Porto, Fahrtkosten) erfolgt im Rahmen der geltenden Bestimmungen. 9 Die Kirchengemeinde unterstützt den Kirchenmusiker bei Schreibarbeiten.
10 Diese Dienstanweisung tritt mit Wirkung vom 1. Januar 1989 in Kraft. 11 Gleichzeitig wird die Dienstanweisung vom 1. Februar 1967 aufgehoben.