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Rechtsverordnung
zum Konvent und zur Vertrauensperson für schwerbehinderte Pfarrerinnen und Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Baden
(RVO – schwerbehinderte PfarrerInnen)

Vom 10. Oktober 2011 (GVBl. S. 226)

Der Evangelische Oberkirchenrat erlässt gemäß von § 2 Abs. 3 Pfarrvertretungsgesetz folgende Rechtsverordnung:
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§ 1
Grundsätze

( 1 ) Zur Wahrnehmung der Interessen der schwerbehinderten Pfarrerinnen und Pfarrer wird im Bereich der Evangelischen Landeskirche in Baden ein Konvent der Pfarrerinnen und Pfarrer mit Schwerbehinderung (Konvent) gebildet sowie eine Vertrauensperson für Pfarrerinnen und Pfarrer mit Schwerbehinderung (Vertrauensperson) bestellt.
( 2 ) Pfarrerinnen und Pfarrer sind im Sinne dieser Rechtsverordnung schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 % vorliegt.
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§ 2
Konvent der schwerbehinderten Pfarrerinnen und Pfarrer

( 1 ) Der Konvent ist eine Versammlung der in § 1 Abs. 2 bezeichneten Personen, welche mindestens einmal im Jahr zusammentritt.
( 2 ) 1 Der Konvent wirkt hin auf die Gemeinschaft von Menschen mit und ohne Behinderung in der für alle offenen Kirche Jesu Christi. 2 Er befasst sich mit theologischen, anthropologischen, ethischen, kirchenrechtlichen und seelsorglichen Themen im Kontext der besonderen Situation schwerbehinderter Pfarrerinnen und Pfarrer.
( 3 ) Der Konvent wirkt bei der Bestellung einer Vertrauensperson für die schwerbehinderten Pfarrerinnen und Pfarrer mit.
( 4 ) 1 Mitglied des Konventes kann jede Pfarrerin und jeder Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Baden werden, die bzw. der schwerbehindert im Sinne des § 1 Abs. 2 ist. 2 Die Mitgliedschaft im Konvent ist freiwillig. 3 Die Mitgliedschaft wird durch einen schriftlichen Aufnahmeantrag, der bei der Vertrauensperson zu stellen ist und mit welchem eine Kopie des Schwerbehindertenausweises vorzulegen ist, begründet. 4 Die Mitgliedschaft erlischt durch Tod oder Austritt. 5 Weiterhin erlischt die Mitgliedschaft, wenn deren Voraussetzungen nicht mehr vorliegen.
( 5 ) Die Vertrauensperon führt im Konvent den Vorsitz.
( 6 ) Die Vertrauensperson beruft die Sitzungen des Konvents mit einer Frist von 4 Wochen ein, bereitet sie vor und leitet die Sitzungen.
( 7 ) Die Mitglieder des Konvents haben für die Teilnahme an Sitzungen Anspruch auf Erstattung der Fahrtkosten entsprechend der Regelungen des Dienstreisekostengesetzes.
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§ 3
Bestellung der Vertrauensperson

( 1 ) 1 Vertrauensperson soll eine Person sein, die selbst schwerbehindert i.S.d. § 1 Abs. 2 ist. 2 Wird eine Person Vertrauensperson, die selbst nicht schwerbehindert i.S.d. § 1 Abs. 2 ist, so wird diese Person durch ihre Bestellung zur Vertrauensperson Mitglied des Konvents.
( 2 ) 1 Die Vertrauensperson wird durch den Konvent im Benehmen mit dem Personalreferat des Evangelischen Oberkirchenrates vorgeschlagen und für sechs Jahre durch den Evangelischen Oberkirchenrat bestellt. 2 Besteht der dem Evangelischen Oberkirchenrat vorgelegte Vorschlag aus mehr als einer Person, kann der Evangelische Oberkirchenrat entweder eine Vertrauensperson allein bestellen oder sogleich eine Stellvertretung für die Vertrauensperson mit bestellen. 3 Für die Stellvertretung gilt die gleiche Amtszeit wie für die Vertrauensperson.
( 3 ) Kann der Evangelische Oberkirchenrat dem Vorschlag des Konvents nicht folgen, so benennt der Evangelische Oberkirchenrat bis zur Bestellung nach Absatz 2 eine Person als kommissarische Vertrauensperson.
( 4 ) Ist eine Vertrauensperson noch nicht im Amt oder durch Niederlegung des Mandats oder aus anderen Gründen vor Ablauf der Amtszeit ausgeschieden und ist auch keine Stellvertretung bestimmt, so ist Absatz 3 entsprechend anzuwenden.
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§ 4
Rechtsstellung der Vertrauensperson

( 1 ) Die Vertrauensperson führt ihr Amt unentgeltlich als Ehrenamt.
( 2 ) Die Vertrauensperson darf weder in der Ausübung ihrer Aufgaben oder Befugnisse behindert noch wegen ihrer Tätigkeit benachteiligt oder begünstigt werden.
( 3 ) 1 Die Vertrauensperson ist verpflichtet, über die ihr bei der Ausübung ihrer Tätigkeit bekannt gewordenen Angelegenheiten und Tatsachen Stillschweigen zu bewahren. 2 Diese Schweigepflicht besteht nicht für Angelegenheiten oder Tatsachen, die offenkundig sind oder ihrer Bedeutung nach keiner Geheimhaltung bedürfen. 3 Die Schweigepflicht gilt nicht gegenüber dem Dienstherrn im Rahmen der Tätigkeit der Vertrauensperson nach § 5, wenn schwerbehinderte Pfarrerinnen und Pfarrer die Vertrauensperson gebeten haben, in ihrer Angelegenheit mit dem Dienstherrn Gespräche aufzunehmen. 4 Die Schweigepflicht gilt auch nach dem Ende der Tätigkeit als Vertrauensperson und nach dem Ausscheiden aus dem Dienst- oder Arbeitsverhältnis.
( 4 ) 1 Die Vertrauensperson hat Anspruch auf Erstattung von Fahrtkosten für im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit erforderliche Fahrten entsprechend der Regelungen des Dienstreisekostengesetzes. Für sächliche Ausgaben steht der Vertrauensperson ein durch den Evangelischen Oberkirchenrat festgelegtes Budget zur Verfügung, welches im Einvernehmen mit einer durch den Evangelischen Oberkirchenrat zu benennenden Person verwaltet wird.
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§ 5
Aufgaben der Vertrauensperson

( 1 ) 1 Die Vertrauensperson nimmt in partnerschaftlichem Dialog mit dem Dienstherrn die spezifischen Interessen schwerbehinderter Pfarrerinnen und Pfarrer wahr und unterstützt deren berufliche und soziale Anliegen gegenüber dem Dienstherrn. 2 Das Recht der schwerbehinderten Pfarrerinnen und Pfarrer, eigene Anliegen den nach der Grundordnung zuständigen Leitungsämtern und Leitungsorganen selbst vorzutragen, bleibt unberührt. 3 Die Vertrauensperson fördert durch ihre Tätigkeit die Eingliederung schwerbehinderter Pfarrerinnen und Pfarrer in den Dienst von Kirche und Diakonie.
( 2 ) Die Vertrauensperson hat insbesondere das Recht
  1. Maßnahmen, die den schwerbehinderten Pfarrerinnen und Pfarrern dienen, bei den zuständigen Stellen anzuregen und zu beantragen,
  2. Anregungen und Beschwerden von schwerbehinderten Pfarrerinnen und Pfarrern im Einzelfall entgegenzunehmen und, falls sie berechtigt erscheinen, durch Verhandlung mit dem Dienstherrn auf eine Umsetzung bzw. Abhilfe hinzuwirken; sie hat die schwerbehinderten Pfarrerinnen und Pfarrer über den Stand und das Ergebnis dieser Verhandlungen zu unterrichten.
( 3 ) Auf Antrag von schwerbehinderten Pfarrerinnen und Pfarrern wirkt die Vertrauensperson in personellen und sozialen Angelegenheiten Einzelner mit
  1. bei Verhandlung und Abschluss von Integrationsvereinbarungen und
  2. beim Verfahren einer Stellenbesetzung.
Weiterhin kann auf Antrag der schwerbehinderten Pfarrerin bzw. des schwerbehinderten Pfarrers die Vertrauensperson an Stelle der Pfarrvertretung mitwirken bei
  1. Versetzung auf eine andere Stelle, soweit nicht das Dienstrecht eine Versetzbarkeit ohne besondere Voraussetzungen vorsieht,
  2. Versetzung in den Wartestand,
  3. vorzeitiger Versetzung in den Ruhestand,
  4. dem Widerruf des Dienstverhältnisses in der Probedienstzeit und
  5. der Entlassung in der Probedienstzeit.
( 4 ) Die Vertrauensperson nimmt an Sitzungen der Pfarrvertretung beratend teil (§ 2 Abs. 4 S. 1 Pfarrvertretungsgesetz).
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§ 6
Inkrafttreten

Diese Rechtsverordnung tritt am 1. Oktober 2011 in Kraft.