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Satzung
der Evangelischen Hochschule Freiburg
über das Verfahren der Berufung von Professorinnen und Professoren (Berufungssatzung)

Vom 11. Juli 2011 (GVBl. S. 209)

Der Senat der Evangelischen Hochschule Freiburg erlässt mit Genehmigung des Kuratoriums folgende Satzung:
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Abschnitt 1
Allgemeine Berufungsverfahren

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§ 1
Stellenbeschreibung

1 Ist eine frei gewordene oder neu bewilligte Stelle für eine Professorin bzw. einen Professor der Hochschule vom Evangelischen Oberkirchenrat zur Ausschreibung freigegeben worden, erstellt der Senat eine Stellenbeschreibung. 2 Diese bedarf der Zustimmung des Evangelischen Oberkirchenrats.
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§ 2
Ausschreibung, Verzicht auf Ausschreibung

( 1 ) Die Stelle wird im Einvernehmen mit dem Evangelischen Oberkirchenrat öffentlich (§ 10 Abs. 1 Verfassung der Hochschule) ausgeschrieben.
( 2 ) Die Ausschreibung muss Art und Umfang der zu erfüllenden Aufgaben und die Einstellungsvoraussetzungen nennen sowie Angaben zur Besoldung bzw. Vergütung der Stelle enthalten.
( 3 ) Der Evangelische Oberkirchenrat kann mit Zustimmung des Senats Berufungen ohne Ausschreibung der Stelle aussprechen (§ 10 Abs. 3 Verfassung der Hochschule).
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§ 3
Einstellungsvoraussetzungen

Die Einstellungsvoraussetzungen und -modalitäten ergeben sich aus § 13 EH-G und § 9 Verfassung der Hochschule.
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§ 4
Bildung der Berufungskommission, Vorsitz

( 1 ) 1 Der Senat bildet eine Berufungskommission. 2 Ihr gehören stimmberechtigt an:
  1. Die Rektorin bzw. der Rektor,
  2. die für die zu besetzende Stelle zuständige Dekanin bzw. der zuständige Dekan,
  3. zwei Professorinnen bzw. Professoren der Hochschule,
  4. zwei Studierende aus dem betreffenden Fachbereich und
  5. die Gleichstellungsbeauftragte bzw. der Gleichstellungsbeauftragte.
( 2 ) 1 Den Vorsitz in der Berufungskommission führt die Rektorin bzw. der Rektor. 2 Sie bzw. er kann den Vorsitz an die zuständige Dekanin bzw. den zuständigen Dekan (Absatz 1 Nr. 2) delegieren.
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§ 5
Bewerbungsunterlagen

( 1 ) Die eingehenden Bewerbungsunterlagen werden von der Rektorin bzw. dem Rektor und der zuständigen Dekanin bzw. dem zuständigen Dekan auf die Einhaltung der Einstellungsvoraussetzungen (§ 3) hin geprüft.
( 2 ) Die zuständige Dekanin bzw. der zuständige Dekan erstellt für die Berufungskommission eine vergleichende Übersicht der Bewerberinnen und Bewerber (Bewerbungsübersicht).
( 3 ) Die Mitglieder der Berufungskommission haben das Recht zur Einsichtnahme in die Bewerbungsunterlagen.
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§ 6
Herstellung einer Auswahl unter den Bewerbungen

( 1 ) Die Person im Vorsitzendenamt (§ 4 Abs. 2) berichtet der Berufungskommission über das Ergebnis der Stellenausschreibung anhand sämtlicher Bewerbungen und der Bewerbungsübersicht (§ 5 Abs. 2).
( 2 ) 1 Die Berufungskommission berät und entscheidet sodann darüber, welche Bewerbungen im weiteren Berufungsverfahren verbleiben. 2 Sie entscheidet mit der Mehrheit ihrer Stimmen. Ergänzend gilt Artikel 108 GO.
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§ 7
Vorstellungsgespräch

( 1 ) Die nach § 6 Abs. 2 im weiteren Berufungsverfahren verbleibenden Bewerberinnen und Bewerber werden von der Rektorin bzw. dem Rektor zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.
( 2 ) 1 Das Vorstellungsgespräch wird anhand eines von der Berufungskommission festgelegten Fragenkatalogs geführt und dauert in der Regel 45 Minuten. 2 Es wird im Anschluss von der Berufungskommission ausgewertet und vom Gesamteindruck her protokolliert.
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§ 8
Einladung zur Probelehrveranstaltung, Gutachten

( 1 ) 1 Die Berufungskommission entscheidet darüber, welche Bewerberinnen bzw. Bewerber zu einer Probelehrveranstaltung eingeladen werden. 2 Die Einzuladenden werden aufgefordert, ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen und bis zu drei Referenzen vorzulegen.
( 2 ) 1 Für jede Bewerberin bzw. jeden Bewerber wird ein Gutachten über ihre bzw. seine fachliche und persönliche Qualifikation aufgrund der wissenschaftlichen Veröffentlichungen, der Referenzen und des Eindrucks beim Vorstellungsgespräch (§ 7) erstellt. 2 Zu Gutachterinnen bzw. Gutachtern können auch Hochschullehrerinnen bzw. Hochschullehrer bestellt werden, die nicht der Evangelischen Hochschule Freiburg angehören, sowie ansonsten geeignete Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Kultur, Diakonie und Kirche.
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§ 9
Form und Inhalt der Probelehrveranstaltung

1 Die Berufungskommission legt die Form und den Termin der Probelehrveranstaltung fest. 2 Für sie benennt die Berufungskommission den Bewerberinnen und Bewerbern jeweils ein Themenfeld oder mehrere Themenfelder, aus dem oder denen drei Themen von der jeweiligen Bewerberin bzw. dem jeweiligen Bewerber vorgeschlagen werden sollen. 3 Von den vorgeschlagenen Themen legt die Berufungskommission ein Thema für die Probelehrveranstaltung fest. 4 Dieses Thema wird der Bewerberin bzw. dem Bewerber spätestens acht Tage vor der Probelehrveranstaltung mitgeteilt.
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§ 10
Teilnahme an der Probelehrveranstaltung

( 1 ) Die Probelehrveranstaltung (§ 9) wird hochschul-öffentlich angekündigt.
( 2 ) 1 Die Teilnahme Studierender ist zulässig. 2 Die Teilnahme befreit von der Anwesenheitspflicht in einer mit Präsenzpflicht belegten Lehrveranstaltung.
( 3 ) Die Mitglieder des Kuratoriums der Hochschule sind schriftlich oder auf elektronischem Weg einzuladen.
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§ 11
Ablauf der Probeveranstaltung

1 Die Probelehrveranstaltung wird in der Regel von der Person im Vorsitzendenamt der Berufungskommission (§ 4 Abs. 2) geleitet. 2 Sie dauert 45 Minuten. 3 Innerhalb dieser Zeit soll Gelegenheit für Fragen an die Bewerberin bzw. den Bewerber zum jeweiligen Themenfeld bestehen (im Umfang von 15 Minuten).
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§ 12
Votum der Studierenden,
Stellungnahme der Berufungskommission

( 1 ) 1 Im Anschluss an die Probelehrveranstaltung erörtert die Person im Vorsitzendenamt der Berufungskommission mit denjenigen Studierenden die Probelehrveranstaltungen, die an ihnen teilgenommen haben, und erläutert die Ausschreibungskriterien. 2 Die Studierenden beraten sich unter Leitung der studentischen Mitglieder der Berufungskommission und geben gegenüber der Person im Vorsitzendenamt (Satz 1) ein Votum ab.
( 2 ) Die Berufungskommission gibt gegenüber dem Senat zu den Bewerberinnen und Bewerbern, die eine Probelehrveranstaltung gehalten haben, eine Stellungnahme ab.
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§ 13
Abbruch des Verfahrens

1 Der Vorsitzende des Senats (§ 15 Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe a Verfassung der Hochschule) kann ein Berufungsverfahren aus triftigen Gründen abbrechen. 2 Hierüber hat er die Berufungskommission, den Senat und das Kuratorium der Hochschule unter Mitteilung der Gründe zu unterrichten.
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§ 14
Berufungsliste

( 1 ) 1 Das Votum der Studierenden (§ 12 Abs. 1 Satz 2) und die Stellungnahme der Berufungskommission (§ 12 Abs. 2) werden im Senat erörtert. 2 Der Senat beschließt sodann eine Berufungsliste. 3 Er kann auch eine unico-loco-Liste beschließen.
( 2 ) Die Rektorin bzw. der Rektor leitet die Berufungsliste mit ihrer bzw. seiner schriftlichen Stellungnahme (vergleichendes Gutachten) an das Kuratorium der Hochschule weiter.
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§ 15
Empfehlung des Kuratoriums

( 1 ) Das Kuratorium empfiehlt dem Evangelischen Oberkirchenrat aus der Berufungsliste eine Bewerberin bzw. einen Bewerber zur Berufung.
( 2 ) Das Kuratorium kann vor Ausspruch seiner Empfehlung nach Absatz 1 in seiner Sitzung die zuständige Dekanin bzw. den zuständigen Dekan anhören.
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§ 16
Berufung

( 1 ) Die Berufung und Einstellung von Professorinnen bzw. Professoren erfolgt durch den Evangelischen Oberkirchenrat (§ 13 Abs. 3 EH-G).
( 2 ) 1 Vor der Entscheidung über die Berufung stellt der Evangelische Oberkirchenrat das Einvernehmen mit dem Kuratorium nach § 2 Abs. 2 Nr. 1 Satzung für das Kuratorium der Evangelischen Hochschule Freiburg her. 2 Folgt der Evangelische Oberkirchenrat der Empfehlung des Kuratoriums (§ 15 Abs. 1), gilt das Einvernehmen als hergestellt.
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Abschnitt 2
Berufung auf eine W 3-Stelle

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§ 17
W 3-Professuren

( 1 ) 1 W 3-Stellen sind als Profilprofessuren aus den übrigen Stellen hervorgehoben. 2 Ihr Profil liegt einerseits in der Verschränkung zwischen den beiden Fachwissenschaften Soziale Arbeit und Frühpädagogik sowie der Bezugswissenschaft Evangelische Theologie/Diakoniewissenschaft und andererseits in der Abbildung dieser Verschränkung auf die Studiengänge der Hochschule.
( 2 ) 1 Ausnahmsweise kann der Senat das Profil einer W 3-Stelle im Bereich der Hochschulstrukturentwicklung feststellen. 2 In diesem Fall kommt eine öffentliche Ausschreibung der Stelle nicht in Betracht.
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§ 18
Ausschreibung

1 Eine W 3-Stelle wird grundsätzlich hochschulintern und nur ausnahmsweise öffentlich ausgeschrieben. 2 Hierüber entscheidet der Senat.
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§ 19
Berufungsvoraussetzungen

( 1 ) Auf eine W 3-Stelle soll nur berufen werden, wer mehrere der folgenden Arbeitsfelder gewährleitsten kann:
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die Vertretung einer der in § 17 genannten Fachwissenschaften oder der dort genannten Bezugswissenschaft im Interesse der Hochschule in der maßgeblichen wissenschaftlichen Öffentlichkeit, in der Evangelischen Landeskirche in Baden und in ihrem Diakonischen Werk, in den maßgeblichen Fach- und Berufsverbänden sowie in anderen bundes- oder landesweiten Netzwerken,
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die Vertretung der Wissenschaft hochschulintern in der konzeptionellen und studiengangsübergreifenden Weiterentwicklung der Lehre und Weiterbildung,
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die Übernahme von Verantwortung über die Ausgestaltung kooperativer Promotionsvorhaben und bzw. oder die Tätigkeit im Forschungsverbund der Hochschule,
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die Verschränkung zwischen den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen der Studiengänge der Hochschule,
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die Unterstützung im Auf- und Ausbau von nationalen bzw. internationalen Kooperationen,
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die fachliche Beratung der Hochschulorgane und -gremien.
( 2 ) Im Falle öffentlicher Ausschreibung gelten ergänzend die Berufungsvoraussetzungen nach Abschnitt 1.
( 3 ) Die Berufung setzt weiterhin voraus, dass der Evangelische Oberkirchenrat die Einhaltung des Vergaberahmens (§ 9 RVO VZB-W 2-W 3) bestätigt.
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§ 20
Bewerbungsberechtigte

Alle Professorinnen und Professoren der Hochschule sind bewerbungsberechtigt.
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§ 21
Weiteres Berufungsverfahren

( 1 ) Im Übrigen gilt grundsätzlich das allgemeine Berufungsverfahren nach Abschnitt 1.
( 2 ) Abweichend von den §§ 8 bis 12 findet keine Probelehrveranstaltung statt, wenn es sich um ein lediglich hochschulinternes Berufungsverfahren handelt.
( 3 ) Abweichend von § 4 Abs. 1 gehören die in § 4 Abs. 1 Nr. 3 und Nr. 4 genannten Personen der Berufungskommission nicht an und gehört ihr zusätzlich die Prorektorin bzw. der Prorektor an, sofern sie bzw. er sich nicht selbst um die Stelle beworben hat.
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§ 22
Antrittsvorlesung

1 Die berufene Person hält eine Antrittsvorlesung. 2 § 10 gilt entsprechend.
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Abschnitt 3
Schlussbestimmungen

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§ 23
Inkrafttreten, Außerkrafttreten, Verkündung

( 1 ) Diese Satzung tritt am 1. September 2011 in Kraft.
( 2 ) Gleichzeitig tritt die Richtlinie für das Berufungsverfahren von Professorinnen und Professoren an der Evangelischen Hochschule Freiburg vom 2. Juni 2008 außer Kraft.
( 3 ) Diese Satzung wird im GVBl. der Landeskirche verkündet (§ 10 Abs. 2 EH-G).